Vereinschronik

„Treu der Sitt’, treu der Tracht, treu der Heimat, treu dem guten alten Brauch!“ Unter diesem Wahlspruch fanden sich in den Jahren 1907/1908 einige junge Burschen in Markt Schwaben zusammen, um fröhliche und muntere Stunden und Tage gemeinsam zu verbringen. So sind zu nennen: Karl Brandstetter, August Sedlmeier, Otto Seidl und Sebastian Schick. Sie pflegten den Heimatgesang und die Musik. Die Würze aber brachte der Gründungsvorplattler Johann Kreuzer aus Thalham bei Miesbach, denn er lernte den Burschen das Schuhplatteln. So kam es, dass am

3. März 1908 im Gasthaus Neudecker („Zum weißen Falken“) der Trachtenverein gegründet wurde. 1911 hatte der Verein 19 aktive Mitglieder. Das Jahr 1914 brachte für alle einen Stillstand der Vereinstätigkeit, da bei der Mobilmachung am 2. August die meisten männlichen Mitglieder den Wehrdienst antreten mussten. Johann Kreuzer, Franz Gruber und August Sedlmeier waren im Feld geblieben, als 1918 der Verein seine Arbeit wieder aufnahm. Von nun an fehlten die Schwabener Trachtler bei fast keinem Fest in der Umgebung. 1921 beteiligte sich der Verein bei der Fahnenweihe der „Ampertaler“ Dachau zum ersten Mal mit der eigenen Trachtenkapelle und erhielt dafür den Ehrenpreis. Eine Aufnahme in den Landesverband für Bayerische Gebirgs- und Volkstrachten, Sitz München, fand ebenfalls in diesem Jahr statt. Für 1922 wurde eine eigene Fahne mit Fahnenweihe angestrebt. Um dies finanzieren und somit verwirklichen zu können, war viel Mühe und Arbeitsaufwand notwendig. Nach wochenlangem Sammeln bei Markt Schwabener Bürgern und Geschäftsleuten, stand der Betrag für eine neue Fahne zur Verfügung. Der Posthalter machte die Burschen bei ihren Besuchen darauf aufmerksam, dass seine Eltern und Großeltern zu besonderen Anlässen sowie bei kirchlichen Ereignissen, ein Festgewand trugen (unsere heutige Volkstracht). Bei weiteren Nachforschungen stellte sich heraus, dass das Gewand (Tracht) als Festgewand von der Landbevölkerung um Markt Schwaben seit der Zeit um 1700 getragen wurde.

 

Durch den enormen Ehrgeiz, in Markt Schwaben wieder die historische Tracht einzuführen, konnten bei der Fahnenweihe bereits zwei Paare in der originalen Volkstracht vorgestellt werden. Als Fahnenmutter wurde Cäcilie Schweiger, als Fahnenjungfern Anne Empl, Theresa Haydn, Sabine Dax, Johanna Dax, Therese Schweiger und als Patenverein die „Ampertaler“ Dachau gewonnen. Am 14. Mai 1922 war es soweit. Vom schönen Wetter begünstigt, konnte mit großem Erfolg der Festzug durchgeführt werden. 35 Trachtenvereine, 11 Ortsvereine sowie zwei auswärtige Musikkapellen beteiligten sich daran.

Wertvolle Arbeit hatte der Vorstand Gratzl mit seinem Ausschuss und allen Mitgliedern bei der Durchführung des Festes und bei der Wiedereinführung der historischen Volkstracht geleistet. Neue Mitglieder kamen hinzu und die Volkstracht wuchs alle Jahre um ein oder zwei Paare an. 1932 wurde dann erstmals eine Jugendgruppe gebildet. Beim 125. Oktoberfestzug 1935 waren schon neun Paare in der Volkstracht dabei.

 

Der Verein hatte die Ehre, sich mit zehn Paaren beim Weltkongress in Hamburg zu beteiligen, an dem 42 Nationen in Tracht vertreten waren. Im Laufe der Zeit wurde es zum Brauch, jährlich das Gründungsfest, verbunden mit einem Gartenfest, zu feiern. Dies blieb lange fester Bestand des Vereinsjahres. Im Jahre 1939 – zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, mussten wiederum eine ganze Anzahl junger Mitglieder zum Wehdienst einrücken, was eine große Lücke in die Reihen der Trachtler riss. Es war eine stille Zeit im Vereinsleben. Sechs tapfere Männer mussten für das sinnlose Kämpfen ihr junges Leben dem Vaterland opfern. 1946 wurde der Verein mit Genehmigung der Militärregierung wieder neu ins Leben gerufen. Durch die Freude und den Eifer der alten und neuen Mitglieder wurde der Verein wieder aufgebaut und nahm weiter an verschiedenen Trachtenfesten teil. 1948 gründete sich erneut eine anschauliche Jugendgruppe. Gleichzeitig war 1948 ein Jubiläumsjahr. Der Verein feierte in kleinem Rahmen sein 40-jäh-riges Bestehen. 20 Verein zogen durch die festlich geschmückten Straßen, endlich wehten auch wieder die weiß-blauen Fahnen. Auch die Heimatvertriebenen, unsere Neubürger, hatten an diesem schönen Tag ihre Freude. Ungarn, Egerländer und Riesengebirgler in malerischen Trachten waren zu bewundern. Im Rahmen dieses Festes ehrten wir die beiden Gründungsmitglieder Josef Gratzl und Hans Moser für ihre 40-jährige Vereinstreue. Ab diesem Zeitpunkt führte der Verein alljährlich im November seinen Heimatabend durch. Den Abschluss bildete jeweils ein heiterer Einakter. Ein außergewöhnliches Ereignis war auch der 23. September 1953, als das Ehepaar Gratzl in ihrer Volkstracht zu einer Trachtenschau der Firma Oberpollinger per Hubschrauber abgeholt wurde. Im Jahre 1958 stand das 50-jährige Gründungsfest und zugleich das 39. Isargaufest an. 96 Vereine und 8 Musikkapellen zogen am 2. Juni durch den festlich geschmückten Ort. Am Abend vorher fand ein großer Heimatabend statt. Bei diesem Fest konnten für langjährige Mitgliedschaft geehrt werden:

 

für 40 Jahre Georg Bauer

                      Josef Karl                                          

                      Georg Schmidhuber

                      Maria Bauer

für 50 Jahre

Ehrenvorstand Josef Gratzl
Ehrenmitglied Hans Moser

 

 

In Form des ersten Preises wurde des Öfteren bei Gaufesten die Arbeit und Zielstrebigkeit des Vereins belohnt. Erfreulicherweise wurden die alljährlichen Veranstaltungen wie Heimatabend, Stiftungsfest usw. von der Bevölkerung gut aufgenommen. 1968 verstarb unser letztes Gründungsmitglied und Ehrenvorstand Josef Gratzl. Ihm ist der Verein zu großem Dank verpflichtet. Die folgenden Jahre wurden genutzt für die Jugendarbeit, Anschaffung von Trachten, Besuch von Trachtenfesten und anderen Veranstaltungen. Man trug sich mit dem Gedanken, 1978 das 70-jährige Gründungsfest mit Fahnenweihe gemeinsam mit dem Isargaufest auszurichten. Der Zuschlag wurde uns ein Jahr später – also für 1979 – erteilt. Endlich war es wieder soweit. Eine neue Fahne sollte bestellt werden, da die Alte aufgebraucht war. Doch die Kasse war durch die Anschaffung von Volkstrachten ziemlich leer. Deshalb wurde, wie schon 1922, eine Sammlung von den Vorstandsmitgliedern Jakob Hechtl und Walter Meixner mit großem Erfolg durchgeführt.

Als Meilenstein in der Geschichte Markt Schwabens wurde das 70-jährige Gründungsfest und 60. Isargaufest von unserem Schirmherrn, Bürgermeister Willi Haller, bezeichnet. Zur Gestaltung des gelungenen Heimatabends trugen die Patenvereine und Kreisvereine bei. Am Sonntag füllten 92 Trachtenvereine und 14 Musikkapellen, die Ortsvereine und zahlreiche begeisterte Zuschauer den Ort. Die neu gestickte Fahne, angefertigt im Frauenkloster St. Josef Thyrnau, wurde in würdigem Rahmen unter dem Baldachin in einem ökumenischen Gottesdienst von den beiden Geistlichen Hochwürden Pfarrer Hagel und Pfarrer Hardte geweiht. Unsere Volksmusikgruppe und die Edelweiß-Dirndl gestalteten die Messe. Fahnenmutter war Johanna Fischer.

Fahnenjungfrauen: Christine Reichert
Marion Hentschel
Christine Hechtl
Gertrud Renner
Gerda Renner
Christine Hillenbrand
Angelika Bauch

Im Rahmen des Festes wurden für 60-jährige Mitgliedschaft Maria Moser und Georg Bauer geehrt. 1978 wurde zusammen mit der Feuerwehr der erste Markt Schwabener Maibaum aufgestellt und erneut ein alter Brauch erweckt, der bis heute Bestand im Vereinsjahr der Trachtler hat. Seit 1982 veranstalten die Volkstrachtenvereine aus Oberbayern alle zwei Jahre ein gemeinsames Volkstrachtentreffen, an dem sich auch die Schwabener Trachtler beteiligen. Zur Umrahmung des Erntedankfestes werden seit 1983 alljährlich die Getreide- und Blumenkrone vom Trachten- und Gartenbauverein zur Kirche getragen. 1988 wurde das 4. Obb. Volkstrachtentreffen, verbunden mit unserem 80. Gründungsfest, in Markt Schwaben durchgeführt. 52 Vereine und vier Musikkapellen zogen durch den festlich geschmückten Ort. „Neu-Edelweiß“, ein Aushängeschild unserer Gemeinde, so begrüßte unser Schirmherr, Bürgermeister Willi Haller, in seinem Grußwort die Vereine und dankte für die Pflege der Trachtenvielfalt. Im Rahmen dieses Festes wurden für 65-jährige Vereinstreue Johanna Frey, Maria Liebl und Kathi Schmidhuber geehrt. Der Verein präsentiert sich bei örtlichen- und Kreisveranstaltungen, Faschingszügen, Leonhardifahrten und Kirchenfesten.

Mit der Teilnahme am Oktoberfestzug pflegen die Markt Schwabener Trachtler eine schöne Tradition. Seit 1935 beteiligt sich der Verein alle zwei Jahre am Trachten- und Schützenzug. Doch 1990 nahm er erstmalig mit einem Kammert-wagen, einem Brautpaar, einer Brautkuh, dem Hochzeitslader und Hochzeitsgästen teil. In mühevoller Arbeit wird die Aussteuer der Braut in einem alten Kasten und einer Schlafkammer immer wieder von Neuem hergerichtet und beim Wies’nzug mitgenommen. In den folgenden Jahren wuchs der Verein immer weiter an. Es wurden viele Feste veranstaltet, wie das Stadlfest, das jährliche Maifest oder der Kirchweihvolkstanz. Sein 90. Gründungsfest feierte der Verein im Rahmen des 79. Isargaufestes. So zogen am Festsonntag über 5000 Trachtler, Ortsvereine und Musikgruppen durch die Straßen von Markt Schwaben und begeisterten die vielen Zuschauer. Nach langer Pause wurde 1999 wieder ein Heimatabend veranstaltet. Nach Auftritten der Kinder-, Plattler- und Volkstanzgruppe brachte die Theatergruppe einen heiteren Einakter. Eine Ehre war es für einige Mitglieder der Plattlergruppe, als sie 2004 zu Ehren der türkischen Familienministerin einen Auftritt im Ebersberger Forst hatten und auch an einem nationalen Tanzfestival in Rumänien teilnahmen.

2006 reiste der Verein in die Partnerstadt Ostra. Am „Festa della birra“ (Bierfest) zeigten die Trachtler den Italienern wie schön das bayrische Brauchtum ist. Der Unterbräu wurde restauriert und mit einer bunten Eröffnungsfeier eingeweiht. Hier hat auch die Trachtenjugend einen Raum für ihre Proben bekommen. Heute feiert der Verein gemeinsam mit den Paten-, Kreis- und Ortsvereinen sein 100-jähriges Vereinsjubiläum.


Vereinsvorstände seit der Gründung:

  1908 – 1919    August Sedlmeier

  1919 – 1927    Josef Gratzl

  1927 – 1929    Georg Bauer

  1929 – 1939    Josef Gratzl

  1946 – 1949    Fritz Gaiser

  1949 – 1952    Georg Bauer

  1952 – 1955    Ruppert Wagenhäuser

1955 – 1964    Georg Bauer

1964 – 1970    Walter Meixner

1970 – 1988    Alfred Rapolder

1988 – 2004    Walter Meixner

2004 - 2015    Jürgen Willared

seit 2015        Claudia Hemmer